Backenzähne
Scharfe Kanten
Um die Zerkleinerung des Futters durch Zermahlen optimal zu ermöglichen sind die Backenzähne des Oberkiefers breiter angelegt als die des Unterkiefers, dadurch kommt es zur Bildung von scharfen Kanten. Diese entstehen im Unterkiefer auf der Innenseite der Kaufläche zur Zunge (lingual) hin und im Oberkiefer an der Außenseite in Richtung der Backenschleimhaut (buccal).
Diese Schärfen verursachen Irritationen, je nach Lage an der Zunge und der Backenschleimhaut. Bestehen sie länger oder sind sie sehr ausgeprägt entstehen Vernarbungen in der Schleimhaut.
Gerade beim Reiten verursachen sie Probleme. Da das Gebiss die Zunge vermehrt an die Innenseite der Backenzähne des Unterkiefers drückt und das Backenstück die Backenschleimhaut an die Backenzähne des Oberkiefers, besteht für das Pferd beim Reiten keine Möglichkeit dem Schmerz auszuweichen. Für manche Pferde wird schon das Aufhalftern zur Tortur.
Die Pferde zeigen Probleme in der Anlehnung, mangelnde Durchlässigkeit und eine allgemein verschlechterte Rittigkeit.
Sind die scharfen Kanten stark ausgeprägt zeigen die Pferde auch eine schlechtere Futteraufnahme.
Haken
Häufig entstehen Haken an den ersten Backenzähnen (upper-6-hooks)des Oberkiefers meist in Verbindung mit Haken am letzten Backenzahn des Unterkiefers (lower-11-ramps).
Durch diese Haken entsteht eine ungenügende Vor-Zurück-Beweglichkeit des Kiefers, insbesondere der Haken im Unterkiefer verhindert, dass sich der Unterkiefer beim Kopfsenken nach vorne schieben kann.
Beim Reiten verursacht dies erhebliche Probleme, da in der Beizäumung der Kopf sich Richtung Senkrechte bewegt, schiebt sich der Unterkiefer leicht nach vorne, dies wird durch die Haken verhindert. Es kommt zu einem erhöhten Druck in den Kiefergelenken.
Besteht dieser Zustand langfristig kommt es zu dauerhaften Schmerzen im Kiefergelenk. Kopfschlagen und deutliche Gegenwehr gegen die Reiterhand sind die Folge.
Auch hier hat das Pferd oft Probleme beim Fressen. Die Haken an den ersten und letzten Backenzähne können so groß werden, dass sie in die gegenüberliegende Kieferhälfte reichen und hier zu starken Verletzungen führen.

grosser Haken am ersten oberen Backenzahn
Zu steiler, flacher oder unterschiedlicher Winkel der Backenzähne
Ist der Winkel der Backenzähne zu flach oder zu steil, kann kein optimaler Mahlvorgang stattfinden. Bestehen sogar Unterschiede in der Winkelung der Zähne der rechten und linken Kieferseite kommt es zu einer dauerhaften Disbalance in den Kiefergelenken. Dieses Ungleichgewicht führt zu schmerzhaften Veränderungen im Kiefergelenk und das Pferd kann nicht schmerzfrei kauen. Es wird sich beim Reiten schlechter Stellen und Biegen und zum Verwerfen neigen.
Werden die Winkel zu steil ( Scherengebiss) fällt vor allem das Fressen von Krippenfutter schwer, da die kleineren Futterbestandteile nicht mehr auf der Kaufläche liegen bleiben. Die Pferde helfen sich indem sie während der Kraftfutteraufnahme immer wieder ein Maul voll Heu aufnehmen und somit das Kauen des Krippenfutters ermöglichen. Natürlich kann auch das Raufutter nur ungenügend zerkleinert werden, oft fällt dies aber erst sehr viel später auf.
„Einer tanzt aus der Reihe“
Durch die beschriebenen Probleme beim Zahnwechsel oder traumatische Einflüsse kann es zu ungleichmäßig ausgebildeten Zahnreihen kommen. Einzelne Zähne werden höher als die anderen oder die gesamte Zahnreihe unterliegt einer Verschiebung.
Hier kennen wir Stufen, Rampen, Wellen im Verlauf der Zahnreihen, oder einzelne Zähne fallen auf Meißelzähne, abnorme Quergrate (transverse ridges ATR) ausgehöhlte Zähne(pocketed out, pounded out).
Jede dieser Veränderungen beeinträchtigt die normale Kieferbeweglichkeit und bereitet dem Pferd langfristig Schmerzen. Beim Reiten sind diese Pferde unwillig und zeigen meist eine gestörte Futteraufnahme.

oben Meisselzahn unten pocketed out
Lose Zähne
Ein vor allem bei älteren Pferden auftretendes Problem sind lose Zähne, sowohl im Backenzahnbereich wie auch bei den Schneidezähnen.
Durch ihre Beweglichkeit in den Zahnfächern des Kiefers führen sie zu starkem Unwohlsein und schmerzen beim Kauen. Sie verschlechtern die Futteraufnahme oft erheblich, so dass Pferde mit losen Zähnen zu Gewichtsverlust neigen und mager werden.
Aber nicht nur das Alter kann für lose Zähne verantwortlich sein. Äußere Einflüsse wie z.B. ein Tritt oder andere Unfälle können zu losen oder gebrochenen Zähnen führen, die mit unauffälligen Symptomen einher gehen, für das Pferd aber Schmerzen und schlechte Futteraufnahme bedeuten.