Evolution
Im Laufe der Evolution entwickelte sich ein hoch spezialisiertes Steppentier. Mit dieser Entwicklung geht die Entwicklung eines auf das Steppenleben spezialisierten Kauapparates einher.
Das Pferd musste in der Lage sein sehr hartes und rohfaserreiches Futter mit Hilfe seines Gebisses in kleinen Portionen so aufzubereiten, dass die schlecht zugänglichen Nährstoffe leichter gelöst werden können.
So entwickelte sich ein Gebiss dessen Zähne schmelzfaltig ausgebildet sind, so dass auch ein Zermahlen der härteren Grasstrukturen möglich wird. Da der Mahlvorgang, ebenso wie das Abkneifen des harten Steppengrases, eine Abnutzung der Zahnsubstanz zur Folge hat, wurde durch die Aufnahme und das Zerkleinern des Futters der gesamte Kauapparat abgenutzt. Auch durch die Aufnahme von Sand und erdigen Strukturen wurde die Bildung von scharfen kanten weitgehend vermieden. Auf Grund dieser Spezialisierung schiebt das Pferd Zahnsubstanz nach, vereinfacht gesagt die Zähne wachsen, etwa 3mm im Jahr.
Durch den Abrieb der Zahnsubstanz und gut aufeinander passende Ober und Unterkiefer entstand ein natürliches Gleichgewicht im Pferdemaul, bei dem Wachstum und Abrieb sich die Waage hielten. Pferde mit Gebissanomalien waren wenig überlebensfähig, durch zu geringe Futteraufnahme und schlechteren Versorgungszustand waren sie schwächer und wurden so früher für Fressfeinde leichtere Beute, sie wurden sozusagen selektiert.
Domestikation
Mit der Domestikation des Pferdes verändern sich gleich mehrere Parameter, die für die Zahngesundheit entscheidend sind. Nicht nur dass die Fütterung unserer Pferde sich stark von der ursprünglichen Ernährung des Pferdes unterscheidet – hier wird das Pferd aus evolutionärer Sicht vom Laubfresser zum Hafermotor. Durch unsere moderne Fütterung wird das Gleichgewicht von Abrieb und Nachschieben gestört, wodurch unterschiedlichste Probleme auftreten können.
Auch mit der Pferdezucht nehmen wir erheblichen Einfluss auf den Zahnapparat unserer Pferde. Genetisch gesehen werden Ober- und Unterkiefer des Pferdes unabhängig von einander vererbt und die fast in jeder Rasse stattfindende Veredelung hat zur Folge, dass gerade bei den immer feiner und edler werdenden Köpfen insbesondere bei unseren Sportpferden, der Unterkiefer häufig proportional zum Oberkiefer zu schmal, zu kurz oder zu lang ist, so dass die Entstehung scharfer Kanten zusätzlich noch begünstig wird.
Ist es dem Pferd beim Fressen möglich sich gegen Schleimhautverletzungen zu schützen indem es sich die Backen mit Futter auffüllt, so hat das Reitpferd keine Chance dem Schmerz zu entgehen, da das Backenstück von Halfter oder Trense die Backenschleimhaut beim Führen oder Reiten an die scharfen Kanten der Oberkieferbackenzähne drückt. Damit wird klar, dass ein Pferd das als Freizeit- oder Sportpartner genutzt wird ein Anrecht auf eine regelmäßige Zahnbehandlung hat. Viele reiterliche Probleme beginnen im Pferdemaul und wirken sich von hier auf den Gesamtorganismus Pferd aus.